Einen Monat vor der Wahl schauen wir nach dem Mai und Juni ein drittes Mal auf die Lage bei den Erststimmen in den Berliner Wahlkreisen.
Zeitverlauf: Häufigster Wahlkreissieger (Januar–August 2026)
Wie viele der 78 Wahlkreise hatte jede Partei als häufigsten Simulationssieger? Datenpunkte jeweils zum 1. des Monats, zuletzt ergänzt um den aktuellen Datenstand vom 15.08.
Der Zeitverlauf zeigt einen deutlichen Rollentausch im Sommer: B90/Grüne stiegen von 9 Wahlkreisen im Januar kontinuierlich bis auf ihren bisherigen Höchststand von 22 im Juli; nur noch knapp hinter der CDU. Seither hat sich der Trend umgekehrt: Zum 01.08. lag die Partei nur noch bei 17 Wahlkreisen, laut Datenstand vom 15.08. sogar nur noch bei 14 – zurück auf dem Niveau vom März. Spiegelbildlich dazu Die Linke: Von 22 Wahlkreisen im Januar auf ein Jahrestief von 14 (April bis Juli), dann eine ebenso scharfe Erholung auf 19 (01.08.) und 24 (15.08.); der höchste Wert des gesamten Jahres. Die CDU bleibt über den gesamten Sommer stabil zwischen 27 und 28 Wahlkreisen. Die AfD hält sich nach dem Anstieg im Mai lange bei 14, gibt zum 15.08. aber leicht auf 12 nach; die erste Bewegung seit Mai. Die SPD schließlich verliert zwischen 01.08. und 15.08. ihren letzten verbliebenen Wahlkreis (Tempelhof-Schöneberg 3, wo B90/Grüne die Führung übernehmen) und führt damit erstmals seit Beginn der Zeitreihe in keinem der 78 Wahlkreise mehr.
Wettbewerbssituation: Wer ist der stärkste Herausforderer?
Die folgenden Karten basieren beide auf der Nowcast-Projektion (poll.graphics-Wahltrend vom 15.08.2026, angewendet auf die Ausgangslage der AGH-Wahl 2023): Links die Partei, die laut Nowcast in jedem Wahlkreis vorne läge, rechts die Partei an zweiter Stelle; also die schärfste Konkurrenz für den aktuellen Führenden. Das gibt ein differenziertes Bild der eigentlichen Wettbewerbssituation: Wer gegen wen kämpft, und wo die relevanten taktischen Trennlinien verlaufen.
Wer steht wie oft als Herausforderer?
Im Vergleich zum Juni-Update hat sich die Wettbewerberrolle deutlich verschoben: B90/Grüne tauchen jetzt in 25 Wahlkreisen als stärkster Herausforderer auf (Juni: 12); die logische Kehrseite ihres Rückgangs bei den Führungen. Auch die AfD legt als Herausforderer leicht zu (18 → 21). Am auffälligsten ist der Einbruch der SPD: Sie ist nur noch in 7 Wahlkreisen zweitstärkste Kraft, nach 17 im Juni und taucht in keinem einzigen AfD- oder Linke-geführten Wahlkreis mehr auf Platz 2 auf. Zusammen mit dem Verlust ihres letzten direkten Wahlkreises (siehe oben) zeigt das ein deutlich geschwächtes Wettbewerbsprofil der Partei in der Fläche.
Alle 78 Wahlkreise nach Wettbewerbskonstellation
Die kombinierte Karte zeigt für jeden Wahlkreis das Duell aus führender Partei und stärkstem Wettbewerber; also beide Ebenen der beiden Karten oben in einer einzigen Übersicht.
| Paarung (1./2. Platz) | Anzahl WK |
|---|---|
| Grüne ↔ Linke | 24 |
| AfD ↔ CDU | 19 |
| AfD ↔ Linke | 14 |
| CDU ↔ Grüne | 14 |
| CDU ↔ SPD | 6 |
| Grüne ↔ SPD | 1 |
Was diese Konstellationen zeigen: Der Innenstadtgürtel (Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, weite Teile Pankows, Nord-Neukölln, Tempelhof-Schöneberg 1 und 2, Treptow-Köpenick 1) ist inzwischen fast vollständig ein Grüne-Linke-Duell: 24 Wahlkreise, fünf mehr als im Juni; andere Parteien spielen hier praktisch keine Rolle mehr. Gleichauf mit dem äußeren Stadtrand folgt AfD ↔ CDU mit unverändert 19 Wahlkreisen (Spandau, Tempelhof-Schöneberg-Süd, Pankow-Nord, Neukölln 5, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf-Rand). Neu ist das Gewicht von AfD ↔ Linke im inneren Osten: Mit 14 Wahlkreisen (Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg) hat sich diese Konstellation gegenüber Juni um drei Wahlkreise ausgeweitet. Ebenfalls bei 14 liegt CDU ↔ Grüne im Südwesten (Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf). Am stärksten geschrumpft ist die SPD-Konkurrenz: CDU ↔ SPD fällt von 12 auf 6 Wahlkreise, Grüne ↔ SPD von 3 auf nur noch 1 (Tempelhof-Schöneberg 3). Die Paarungen AfD ↔ SPD und Linke ↔ SPD, im Juni noch mit 3 Wahlkreisen vertreten, kommen im August gar nicht mehr vor – ein weiteres Indiz für die schwindende Rolle der SPD als Zweitplatzierte.
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Einschränkungen dieser Analyse
- Kleine Parteien bleiben außen vor: Die zugrundeliegenden Berlin-Umfragen weisen CDU, SPD, B90/Grüne, Die Linke, AfD, FDP und BSW einzeln aus; alle übrigen Parteien werden als „Sonstige“ zusammengefasst. Kleinere Parteien außerhalb der Umfragen – etwa Volt oder die Tierschutzpartei – fließen deshalb nicht in die Wahlkreis-Projektion ein, obwohl sie 2023 reale Stimmenanteile erzielt haben.
- Die Projektion ersetzt keine lokale Kampagnenbeobachtung: Die Projektionen basieren auf dem Ergebnis der letzten Wahl 2023 je Wahlkreis und den aktuellen, landesweiten Umfragewerten. Lokale Effekte, unterschiedliche Wahlkampfintensitäten in der heißen Wahlkampfphase, neue Kandidierende oder Verschiebungen in der Wählerschaft durch Zu- und Wegzug werden dabei nicht gesondert erfasst. Mehr zur Methode und ihren Grenzen unter poll.graphics/nowcast.
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