Die Situation in den Berliner Bezirken 6 Wochen vor der Wahl

In den zwölf Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) zeichnet sich auf Basis des aktuellen Umfragetrends (Nowcast-Projektion vom 01.08.2026, angewendet auf die Ausgangslage der BVV-Wahl 2023) ein Stadtbild in drei Blöcken ab: Die Linke wäre in 5 von 12 Bezirken stärkste Kraft im dicht besiedelten Innenstadtring aus Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Pankow, Neukölln und Lichtenberg. Die CDU läge ebenfalls in 5 Bezirken vorn im Westen und Süden der Stadt: Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf. Die AfD würde in den 2 östlichen Randbezirken Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf stärkste Partei. SPD und B90/Grüne gewinnen nirgends den ersten Platz – sind aber, wie die Bezirksanalysen unten zeigen, für fast jede rechnerisch mögliche Mehrheit in den Bezirksverordnetenversammlungen (BVVen) unverzichtbar. Wie knapp diese Führungen ausfallen und welche Zählgemeinschaften auf Basis der 55-köpfigen BVV jeweils die nötigen mindestens 28 Sitze erreichen würden, schlüsseln wir im Folgenden für jeden der zwölf Bezirke einzeln auf, inklusive der Vorschlagsrechte im sechsköpfigen Bezirksamt (BA). Wichtig vorab: Sämtliche Sitz-, Mehrheits- und Führungsangaben in diesem Beitrag sind rechnerische Projektionswerte auf Basis des aktuellen Umfragetrends. Sie beruhen auf Schätzungen der Parteianteile je Bezirk und sind weder ein amtliches Ergebnis noch eine Vorhersage des tatsächlichen Wahlausgangs. Die tatsächliche BVV-Wahl kann in jedem einzelnen Bezirk davon abweichen.

Deshalb wichtig zur Einordnung: Das Projektionsergebnis zur stärksten Kraft in einem Bezirk ist nicht gleich bedeutend damit, dass eine Partei automatisch nach der Wahl den Bezirksbürgermeister oder die Bezirksbürgermeisterin stellt. Für die Wahl der Bezirksbürgermeisterei wie auch der anderen Positionen im Bezirksamt ist eine Zählgemeinschaft von den Parteien zu bilden, um eine Mehrheit in der BVV zu erlangen. Eine direkte Aussage über die Mehrheitsverhältnisse im Rat der Bürgermeister ist deshalb auf Basis der Projektion zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch nicht möglich (s. auch Bewertung am Ende dieses Textes).

Karte: Stärkste Partei je Bezirk (BVV-Projektion, Stand 01.08.2026)

Entwicklung seit Januar 2026

Der Blick zurück zeigt, wie sehr sich das Bild seit Jahresbeginn verschoben hat. Im Januar war die Ausgangslage noch klarer als heute: CDU führte in 6 der 12 Bezirke, Die Linke in 4, die AfD konstant in 2 (Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf). Dazwischen gab es einen auffälligen Zwischenspurt von B90/Grüne: Im Juli lag die Partei in 4 Bezirken vorn – Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg – bevor sie im August-Update wieder auf 0 Führungen zurückfiel. Auch SPD tauchte im Mai und Juni kurz als Bezirksführung auf (Neukölln), verlor die Spitzenposition dort aber bereits im Juli wieder an Die Linke.

Die restlichen acht Bezirke – Spandau, Steglitz-Zehlendorf, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Reinickendorf sowie (mit Unterbrechung im Juli) Pankow und Neukölln – blieben über den gesamten Zeitraum bei derselben Partei an der Spitze. Die eigentliche Bewegung fand also nicht am Stadtrand statt, sondern im engeren Innenstadtring zwischen Linke und Grüne – mit der AfD als einzige Partei, deren zwei Führungsbezirke seit Januar durchgehend unverändert blieben.


Die 12 Berliner Bezirke im Detail

Die folgenden zwei Karten geben einen Überblick über die projizierten Sitzverteilungen in allen zwölf Bezirken, bevor wir jeden Bezirk einzeln im Detail betrachten.

BA-Vorschlagsrechte je Bezirk (Projektion, 6 Sitze)
Karte: BA-Vorschlagsrechte je Bezirk (Projektion, 6 Sitze)
BVV-Sitzverteilung je Bezirk (Projektion, 55 Sitze)
Karte: BVV-Sitzverteilung je Bezirk (Projektion, 55 Sitze)

Bezirk 01 – Mitte

Projektion (01.08.2026): Die Linke vor B90/Grüne

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
Linke 2 16
Grüne 2 15
CDU 1 8
SPD 1 6
AfD 0 6
BSW 0 2
FDP 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeGrüneSPD (37)
LinkeGrüne (31)
GrüneCDUSPD (29)
Ohne Mehrheit (<28) Grüne–CDU–FDP (25)
Grüne–CDU (23)
Linke–SPD (22)
Grüne–SPD (21)
CDU–SPD–FDP (16)
CDU–SPD (14)

Neben den beiden linken Bündnissen erreicht auch Grüne–CDU–SPD die Mehrheit – allerdings mit dem geringsten Puffer aller drei Optionen (29 Sitze).

Bezirk 02 – Friedrichshain-Kreuzberg

Projektion (01.08.2026): Die Linke liegt vor B90/Grüne

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
Linke 3 20
Grüne 3 18
CDU 0 5
SPD 0 5
AfD 0 4
BSW 0 3
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeGrüneSPD (43)
LinkeGrüne (38)
GrüneCDUSPD (28) knapp
Ohne Mehrheit (<28) Linke–SPD (25)
Grüne–CDU (23)
Grüne–CDU–FDP (23)
Grüne–SPD (23)
CDU–SPD (10)
CDU–SPD–FDP (10)

Auch hier kämen Grüne, CDU und SPD auf eine Mehrheit; mit exakt 28 Sitze aber ohne jeden Puffer. Die beiden linken Bündnisse haben weit komfortablere Mehrheiten.

Bezirk 03 – Pankow

Projektion (01.08.2026): Die Linke führt vor B90/Grüne und der AfD auf Platz drei.

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
Linke 2 17
Grüne 2 12
AfD 1 11
CDU 1 8
SPD 0 5
BSW 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeGrüneSPD (34)
LinkeGrüne (29)
Ohne Mehrheit (<28) Grüne–CDU–SPD (25)
Linke–SPD (22)
Grüne–CDU (20)
Grüne–CDU–FDP (20)
Grüne–SPD (17)
CDU–SPD (13)
CDU–SPD–FDP (13)

Linke–Grüne reicht mit 29 Sitzen knapp für eine Mehrheit, ein drittes Standbein (SPD) vergrößert den Puffer auf 34 Sitze. Eine Zählgemeinschaft aus Grüne, CDU und SPD bliebe mit 25 Sitzen dagegen ohne Mehrheit.

Bezirk 04 – Charlottenburg-Wilmersdorf

Projektion (01.08.2026): CDU liegt vor B90/Grüne

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
CDU 2 15
Grüne 2 14
SPD 1 9
Linke 1 7
AfD 0 7
FDP 0 3
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) CDUGrüneSPD (38)
CDUGrüneFDP (32)
GrüneSPDLinke (30)
CDUGrüne (29)
Ohne Mehrheit (<28) CDU–SPD–FDP (27)
CDU–SPD (24)
Grüne–SPD (23)
Grüne–Linke (21)
SPD–Linke (16)

Charlottenburg-Wilmersdorf ist der Bezirk mit den meisten gangbaren Mehrheiten: gleich vier Konstellationen wären denkbar; angeführt von CDU–Grüne–SPD mit komfortablen 38 Sitzen. B90/Grüne sitzt hier faktisch an jedem Verhandlungstisch.

Bezirk 05 – Spandau

Projektion (01.08.2026): CDU führt vor der AfD

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
CDU 3 19
AfD 2 15
SPD 1 10
Grüne 0 5
Linke 0 4
FDP 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) CDUSPDGrüne (34)
CDUSPDFDP (31)
CDUSPD (29)
Ohne Mehrheit (<28) CDU–Grüne–FDP (26)
CDU–Grüne (24)
SPD–Grüne–Linke (19)
SPD–Grüne (15)
SPD–Linke (14)
Grüne–Linke (9)

Spandau bleibt ein klarer CDU-Bezirk: Alle drei tragfähigen Mehrheiten führt die CDU an (mit SPD, mit SPD und Grüne, oder mit SPD und FDP) – ein linkes Bündnis liegt weit außerhalb der Reichweite.

Bezirk 06 – Steglitz-Zehlendorf

Projektion (01.08.2026): CDU vor B90/Grüne

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
CDU 2 18
Grüne 2 13
SPD 1 9
AfD 1 7
Linke 0 5
FDP 0 3
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) CDUGrüneSPD (40)
CDUGrüneFDP (34)
CDUGrüne (31)
CDUSPDFDP (30)
Ohne Mehrheit (<28) CDU–SPD (27)
Grüne–SPD–Linke (27)
Grüne–SPD (22)
Grüne–Linke (18)
SPD–Linke (14)

CDU–Grüne–SPD bildet hier mit 40 Sitzen die breiteste Mehrheit aller zwölf Bezirke – neben drei weiteren CDU-geführten Optionen. Sowohl CDU–SPD als auch die linke Dreier-Konstellation verfehlen die Marke knapp (je 27 Sitze).

Bezirk 07 – Tempelhof-Schöneberg

Projektion (01.08.2026): CDU vor B90/Grüne

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
CDU 2 14
Grüne 1 14
SPD 1 9
Linke 1 8
AfD 1 8
FDP 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) CDUGrüneSPD (37)
GrüneSPDLinke (31)
CDUGrüneFDP (30)
CDUGrüne (28) knapp
Ohne Mehrheit (<28) CDU–SPD–FDP (25)
CDU–SPD (23)
Grüne–SPD (23)
Grüne–Linke (22)
SPD–Linke (17)

Vier Konstellationen erreichen hier die Mehrheit, angeführt von CDU–Grüne–SPD (37 Sitze). Auch eine links-grüne Dreier-Zählgemeinschaft (31) wäre rechnerisch eine Option – CDU–Grüne allein reicht nur knapp auf den Sitz genau.

Bezirk 08 – Neukölln

Projektion (01.08.2026): Die Linke liegt vor der CDU

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
Linke 2 14
CDU 1 11
SPD 1 10
AfD 1 9
Grüne 1 9
BSW 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeSPDGrüne (33)
CDUSPDGrüne (30)
Ohne Mehrheit (<28) Linke–SPD (24)
Linke–Grüne (23)
CDU–SPD (21)
CDU–SPD–FDP (21)
CDU–Grüne (20)
CDU–Grüne–FDP (20)
SPD–Grüne (19)

Neben der rot-rot-grünen Mehrheit (33 Sitze) erreicht in Neukölln auch CDU–SPD–Grüne (30 Sitze) eine rechnerische Mehrheit; jede reine Zweier-Konstellation bliebe dagegen ohne Mehrheit.

Bezirk 09 – Treptow-Köpenick

Projektion (01.08.2026): AfD vor Die Linke

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
AfD 2 16
Linke 2 14
CDU 1 9
SPD 1 8
Grüne 0 6
BSW 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeSPDGrüne (28) knapp
Ohne Mehrheit (<28) CDU–SPD–Grüne (23)
Linke–SPD (22)
Linke–Grüne (20)
CDU–SPD (17)
CDU–SPD–FDP (17)
CDU–Grüne (15)
CDU–Grüne–FDP (15)
SPD–Grüne (14)

Trotz AfD-Führung wäre eine Mehrheit gegen die AfD hier rechnerisch möglich; allerdings nur mit Linke, SPD und Grüne gemeinsam, und exakt auf der 28-Sitze-Grenze ohne jeden Puffer. CDU–SPD–Grüne (23 Sitze) hätte keine Mehrheit

Bezirk 10 – Marzahn-Hellersdorf

Projektion (01.08.2026): AfD vor Die Linke

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
AfD 3 21
Linke 2 13
CDU 1 11
SPD 0 6
Grüne 0 2
BSW 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) Keine der geprüften Konstellationen erreicht 28 Sitze.
Ohne Mehrheit (<28) Linke–SPD–Grüne (21)
CDU–SPD–Grüne (19)
Linke–SPD (19)
CDU–SPD (17)
CDU–SPD–FDP (17)
Linke–Grüne (15)
CDU–Grüne (13)
CDU–Grüne–FDP (13)
SPD–Grüne (8)

Besonderheit Marzahn-Hellersdorf: Keine der neun geprüften Zählgemeinschaften erreicht die 28-Sitze-Mehrheit; sowohl Linke–SPD–Grüne wie auch CDU–SPD–Grüne blieben ohne Mehrheit. Eine Mehrheit gegen die AfD hätten nur Konstellationen von CDU und Linken (zusammen mit SPD oder SPD und Grünen). Eine direkte Zusammenarbeit mit der Linken wird von der CDU jedoch ausgeschlossen.

Bezirk 11 – Lichtenberg

Projektion (01.08.2026): Die Linke führt vor der AfD

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
Linke 3 20
AfD 2 14
CDU 1 8
SPD 0 5
Grüne 0 5
BSW 0 3
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) LinkeSPDGrüne (30)
Ohne Mehrheit (<28) Linke–Grüne (25)
Linke–SPD (25)
CDU–SPD–Grüne (18)
CDU–SPD (13)
CDU–Grüne (13)
CDU–SPD–FDP (13)
CDU–Grüne–FDP (13)
SPD–Grüne (10)

Trotz starker Linke-Führung reicht weiterhin nur das Dreierbündnis Linke–SPD–Grüne für die Mehrheit (30 Sitze). CDU–SPD–Grüne bleibt mit 18 Sitzen weit davon entfernt.

Bezirk 12 – Reinickendorf

Projektion (01.08.2026): CDU vor der AfD

Partei BA-Vorschlagsrechte (Projektion, 01.08.26) BVV-Sitze (Projektion, 01.08.26)
CDU 2 19
AfD 2 13
SPD 1 10
Grüne 1 7
Linke 0 4
FDP 0 2
Kategorie Mögliche Zählgemeinschaften (projizierte Sitze von 55)
Mit Mehrheit (≥28) CDUSPDGrüne (36)
CDUSPDFDP (31)
CDUSPD (29)
CDUGrüneFDP (28) knapp
Ohne Mehrheit (<28) CDU–Grüne (26)
SPD–Grüne–Linke (21)
SPD–Grüne (17)
SPD–Linke (14)
Grüne–Linke (11)

In Reinickendorf wären vier CDU-geführte Mehrheitsoptionen denkbar, angeführt von CDU–SPD–Grüne mit 36 Sitzen. Jede linke Konstellation bleibt weit abgeschlagen.


Bewertung

Die BA-Vorschlagsrechte in den Tabellen oben zeigen nur, wie viele Stadtratsposten einer Partei rechnerisch zustünden – nicht, ob die vorgeschlagenen Kandidatinnen und Kandidaten auch tatsächlich ins Amt kommen. Jeder Stadtratsposten wird von der BVV einzeln und in geheimer Wahl mit einfacher Mehrheit gewählt. Aktuell arbeitet keine der übrigen Parteien in einer Zählgemeinschaft mit der AfD zusammen – entsprechend ist offen, ob und wie von ihr vorgeschlagene Kandidaturen für Bürgermeister- und sonstige Stadtratsposten in den einzelnen Bezirken überhaupt eine Mehrheit finden würden.

Das ist kein rein theoretisches Problem: In der laufenden Wahlperiode wurden von den vier Vorschlagsrechten, die der AfD berlinweit zustehen, drei bislang nie besetzt – die jeweiligen Kandidaten fanden in ihrer BVV keine Mehrheit. Die Aufgaben dieser unbesetzten Stadtratsposten wurden von den übrigen, gewählten Mitgliedern des jeweiligen Bezirksamts mit übernommen. Unklar ist bislang, wie tragfähig dieses Modell wäre, wenn in einem einzigen Bezirksamt gleich zwei oder drei Sitze dauerhaft unbesetzt blieben; ein Fall, der in der bisherigen Praxis noch nicht aufgetreten ist. Laut Projektion könnte die AfD aber in Lichtenberg, Reinickendorf, Spandau und Treptow-Köpenick 2 Vorschlagsrechte erhalten. Und damit zu Marzahn-Hellersdorf: Dort stünden der AfD gleich drei der sechs Vorschlagsrechte zu, während in der BVV zugleich keine der geprüften Zählgemeinschaften eine Mehrheit hätte (siehe oben). Wie eine Bezirksverwaltung unter diesen Bedingungen arbeitsfähig bliebe, ist damit ebenso offen wie die Frage, wer die Aufgaben von potenziell mehreren unbesetzten Stadtratsposten in diesem Fall übernehmen würde.


Wichtiger Hinweis zur Methodik: Diese Analyse basiert auf dem aktuellen Umfragedurchschnitt zur Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses (poll.graphics-Wahltrend, Stand 01.08.2026), angewendet auf die Ausgangslage der zwölf Bezirke aus der BVV-Wahl 2023. Die Umfragen zum Abgeordnetenhaus messen SPD, CDU, B90/Grüne, Die Linke, AfD, FDP und BSW einzeln; alle übrigen Parteien werden dort als „Sonstige“ zusammengefasst. Kleinere Parteien wie DIE PARTEI, Tierschutzpartei oder Volt tauchen deshalb in dieser Projektion nicht als eigene Sitzfraktion auf – obwohl sie bei der BVV-Wahl 2023 in mehreren Bezirken tatsächlich Sitze gewonnen haben und dort erneut antreten. Der Grund: Für die BVV gilt anders als für das Abgeordnetenhaus keine 5-Prozent-Sperrklausel, sondern nur eine lokale 3-Prozent-Hürde; wodurch kleinere Parteien in einzelnen Bezirken durchaus den Sprung in die BVV schaffen können, selbst wenn sie in der stadtweiten AGH-Umfrage nicht gesondert ausgewiesen werden. Auch die BA-Vorschlagsrechte in diesem Beitrag beziehen sich ausschließlich auf die in der Umfrage erfassten Parteien; der tatsächliche Anspruch auf Stadtratsposten richtet sich zusätzlich nach dem realen BVV-Ergebnis inklusive aller Kleinparteien. Alle Sitzzahlen in diesem Beitrag sind daher als Projektion auf Basis der großen Parteien zu verstehen, nicht als vollständige Abbildung der jeweiligen BVV.

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