Gut vier Monate vor der Wahl schauen wir – nach dem Mai-Update – erneut auf das, was für die strategische Lage wirklich zählt: die Gewinnwahrscheinlichkeiten in den Wahlkreisen und die Stabilität der Führungen.
Die Simulation umfasst erneut 10.000 Durchläufe auf Basis des aktuellen Datenstands vom 01.06.2026. Die zentrale Frage: Wo ist das Rennen offen, wo zeichnet sich eine klare Tendenz ab – und wer steht in den einzelnen Wahlkreisen als stärkster Herausforderer?
Methodik in Kürze
Monte-Carlo-Simulation (10.000 Läufe): Für jeden der 78 Berliner Wahlkreise wird eine stochastische Simulation mit 10.000 unabhängigen Durchläufen durchgeführt. Ausgangspunkt sind die aktuellen Berliner Umfrageresultate, die zu einem gewichteten Umfragedurchschnitt zusammengefasst werden. In jedem Simulationslauf werden die Stimmenwerte aller Parteien auf Wahlkreisebene leicht variiert – unter Berücksichtigung von Stichprobenfehlern, regionalen Schwankungen und historischen Abweichungen zwischen Erst- und Zweitstimme. Anschließend wird gezählt, wie oft jede Partei den jeweiligen Wahlkreis direkt bei den Erststimmen gewinnt. Das Ergebnis ist eine Gewinnwahrscheinlichkeit in Prozent: Ein Wert von 75% bedeutet, dass die führende Partei in 7.500 von 10.000 Simulationen als Sieger hervorging.
Kategorien nach Vorsprung zwischen 1. und 2. Platz (Differenz der Gewinnwahrscheinlichkeiten aus 10.000 Simulationsläufen):
| Kategorie | Kriterium | Bedeutung | Anzahl WK (01.05.) | Anzahl WK (01.06.) |
|---|---|---|---|---|
| 🔴 Auf Kippe | Vorsprung 1./2. Platz < 10 Pp. | Offenes Rennen, in mehrere Richtungen realistisch | 5 | 5 |
| 🟠 Umkämpft | Vorsprung 1./2. Platz 10–50 Pp. | Führung erkennbar, aber Rennen noch nicht entschieden | 31 | 30 |
| 🟡 Tendenz | Vorsprung 1./2. Platz 50–90 Pp. | Klarer Vorteil, aber nicht unangreifbar | 38 | 35 |
| 🟢 Klarer Vorsprung | Vorsprung 1./2. Platz ≥ 90 Pp. | Derzeit praktisch sicher | 4 | 8 |
Das auffälligste Ergebnis des Juni-Updates: 8 Wahlkreise haben einen Vorsprung von über 90 Pp. zwischen Erst- und Zweitplatz – darunter Marzahn-Hellersdorf 1 und 3 (AfD), Tempelhof-Schöneberg 7 (CDU) und Treptow-Köpenick 1 (Die Linke). In der Kategorie „Auf Kippe” (Vorsprung unter 10 Pp.) verbleiben 5 Wahlkreise: Das knappste Rennen liefert Mitte 6 (B90/Grüne vs. Die Linke), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf 1, Treptow-Köpenick 2, Pankow 9 und Treptow-Köpenick 7. Mit 30 Wahlkreisen in der Kategorie „Umkämpft” – Vorsprung zwischen 10 und 50 Pp. – bleibt ein erheblicher Teil der Berliner Wahlkarte noch offen.
Zeitverlauf: Häufigster Wahlkreissieger (Januar–Juni 2026)
Wie viele der 78 Wahlkreise hatte jede Partei als häufigsten Simulationssieger? Datenpunkte jeweils zum 1. des Monats.
Der Juni-Datenpunkt bestätigt die Konsolidierung: Die Parteiführungen in den 78 Berliner Wahlkreisen haben sich seit Mai nicht verändert. CDU liegt stabil bei 28 Wahlkreisen – nach einem deutlichen Rückgang im April (von 35 auf 28), der sich seither nicht weiter fortgesetzt hat. B90/Grüne hält 21 Wahlkreise nach dem starken Anstieg im Frühjahr. Die Linke liegt bei 14, die AfD ebenfalls bei 14. Die SPD verbleibt bei 1 Wahlkreis (Tempelhof-Schöneberg 3). Was sich verändert hat, sind die Gewinnwahrscheinlichkeiten: Die Umfragen haben sich leicht stabilisiert, was dazu führt, dass mehr Wahlkreise nun klare Favoriten zeigen.
Neu: Wer ist der stärkste Herausforderer?
Die Karte „Stärkster Wettbewerber” zeigt, welche Partei in jedem Wahlkreis laut Nowcast-Projektion (Umfragedurchschnitt) an zweiter Stelle liegt – also die schärfste Konkurrenz für den aktuellen Führenden darstellt. Das gibt ein differenziertes Bild der eigentlichen Wettbewerbssituation: Wer gegen wen kämpft, und wo die relevanten taktischen Trennlinien verlaufen.
Wer steht wie oft als Herausforderer?
| Partei | Anzahl WK als Stärkster Wettbewerber | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| AfD | 18 | Stadtrand (Spandau, Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg) |
| Die Linke | 17 | Innenstadtbezirke (Mitte, Friedrichshain, Pankow, Neukölln-Nord) |
| SPD | 17 | Westliche und südliche Vorstadt (Zehlendorf, Reinickendorf-Süd, Tempelhof-Süd) |
| CDU | 14 | Pankow, Lichtenberg, Treptow-Köpenick (wo AfD führt) |
| B90/Grüne | 12 | Innenstadtwest (Charlottenburg, Steglitz, Tempelhof-Nord) |
Alle 78 Wahlkreise nach Wettbewerbskonstellation
| Paarung (1./2. Platz) | Anzahl WK |
|---|---|
| Grüne ↔ Linke | 19 |
| AfD ↔ CDU | 19 |
| CDU ↔ SPD | 12 |
| AfD ↔ Linke | 11 |
| CDU ↔ Grüne | 11 |
| Grüne ↔ SPD | 3 |
| AfD ↔ SPD | 2 |
| Linke ↔ SPD | 1 |
Was diese Konstellationen zeigen: Das Berliner Wahlkreisbild gliedert sich in acht geografisch abgrenzbare Wettbewerbszonen. Den Innenstadtgürtel (Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, westliches Pankow, Nord-Neukölln) prägt mit 19 Wahlkreisen ausschließlich die Konstellation Grüne ↔ Linke – andere Parteien spielen hier weniger eine Rolle. Gleichauf mit 19 Wahlkreisen folgt AfD ↔ CDU am äußeren Stadtrand: Spandau, Reinickendorf, nördliches Pankow, westliches Lichtenberg und der nördliche Marzahn-Rand. CDU ↔ SPD (12 WK) dominiert den westlichen und südlichen Suburbanraum (Steglitz-Zehlendorf, Neukölln-Süd, CW-West, Reinickendorf-Mitte). Den inneren Osten teilen sich AfD und Linke (11 WK) – in Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Teilen Treptow-Köpenicks. Im Südwesten konkurrieren CDU und Grüne (11 WK, Charlottenburg und Zehlendorf). Grünroter Wettbewerb Grüne ↔ SPD findet sich in 3 Wahlkreisen. AfD ↔ SPD und Linke ↔ SPD bleiben mit insgesamt 3 Wahlkreisen die Ausnahme.
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