Die Situation in Hessen im Oktober 2026 zwei Jahre vor der Landtagswahl

Die CDU verliert, die AfD und die Grünen gewinnen: Im poll.graphics-Wahltrend für Hessen sinkt die CDU durch eine neue Umfrage von infratest dimap für den Hessischen Rundfunk von 30,7 auf 26,7 Prozent. Die AfD steigt von 21,3 auf 22,7 Prozent, die Grünen legen von 13,3 auf 15,0 Prozent zu. Der Abstand zwischen CDU und AfD schrumpft von 9,4 auf 4,0 Punkte.

Für die Regierung von Boris Rhein hat das eine klare Folge: Im Nowcast kämen CDU und SPD zusammen nur noch auf 59 von 122 Sitzen. Für die Mehrheit fehlen drei Sitze.

Wichtiger Hinweis: Die nächste Landtagswahl in Hessen ist voraussichtlich im Herbst 2028. Der Wahltrend ist ein gewichteter Durchschnitt aller veröffentlichten Umfragen, der Nowcast überträgt ihn auf alle 55 Wahlkreise und auf die Sitzverteilung im Landtag. Beides ist eine Momentaufnahme, keine Prognose. Mehr zur Methode hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die CDU verliert 4,0 Punkte, die AfD gewinnt 1,4, die Grünen gewinnen 1,7. Bei der Landtagswahl 2023 lagen CDU und AfD noch 16,2 Punkte auseinander.
  • Schwarz-Rot ohne Mehrheit. CDU und SPD hätten zusammen 59 Sitze, die Mehrheit liegt bei 62. Auch CDU und Grüne kämen nur auf 59.
  • Ohne die AfD wäre nur ein Dreierbündnis möglich, von CDU, SPD und Grüne mit 80 Sitzen.
  • Die CDU verliert 14 Wahlkreise an die AfD, die Grünen, die SPD und die Linken. Die AfD läge in sechs Wahlkreisen vorn, 2023 gewann sie keinen.
  • FDP und Freie Wähler wären nicht im Landtag. Im Wahltrend liegen sie bei 3,7 und 3,3 Prozent, unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Was die neue Umfrage am Wahltrend ändert

Die Verschiebung geht auf die neue Umfrage von infratest dimap zurück. Der Wahltrend verarbeitet mehrere Umfragen und fällt deshalb weniger stark aus als die Einzelumfrage, in der die CDU nur noch bei 25 Prozent liegt. Gegenüber der Landtagswahl 2023 verliert die CDU 7,9 Punkte, die AfD gewinnt 4,3, die Grünen 0,2, die Linke 3,9. Die FDP liegt 1,3 Punkte unter ihrem Ergebnis von 2023 und damit unter der Fünf-Prozent-Hürde.


Wer hätte eine Mehrheit?

Im Nowcast kämen fünf Parteien in den Landtag. Hessen gleicht Überhangmandate vollständig aus, deshalb hängt die Größe des Landtags vom Ergebnis ab. Mit der neuen Umfrage hat er im Nowcast 122 Sitze, die Mehrheit liegt bei 62:

Sitzverteilung im Hessischen Landtag, Nowcast vom 27. Oktober 2026: CDU 38, AfD 32, Grüne 21, SPD 21, Linke 10

Was das für Bündnisse heißt:

Koalition Sitze (Mehrheit ab 62) Mehrheit?
CDU + SPD (Landesregierung seit 2024) 59 nein
CDU + Grüne (Landesregierung 2014–2024) 59 nein
SPD + Grüne + Linke 52 nein
CDU + SPD + Grüne 80 ja
CDU + AfD (rechnerisch) 70 ja

Beide Zweierbündnisse, die in Hessen schon regiert haben, verfehlen die Mehrheit um drei Sitze. Ohne die AfD wäre gegenwärtig nur ein Dreierbündnisse von CDU, SPD und Grünen möglich. Die FDP und die Freien Wähler liegen im Wahltrend unter der Fünf-Prozent-Hürde. Schafften sie den Einzug, würde der Landtag größer und die Mehrheitsschwelle stiege.


Die Karte: Wer wo vorne liegt

Der Nowcast überträgt den Wahltrend auf jeden der 55 Wahlkreise, ausgehend von den Ergebnissen der Landtagswahl 2023. So sieht die Karte mit dem Wahltrend vom 27. Oktober aus:

Nowcast der Erststimmen-Sieger in den 55 hessischen Landtagswahlkreisen, Stand 27. Oktober 2026
Partei Wahlkreise Nowcast Wahl 2023
CDU 38 52
AfD 6 0
B90/Grüne 5 3
SPD 5 0
Die Linke 1 0

Die CDU gewänne 38 der 55 Wahlkreise, 14 weniger als 2023. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet, im Taunus und in Osthessen um Fulda ist sie weiter klar vorn.

Die AfD läge in sechs Wahlkreisen vorn: Schwalm-Eder II, Hersfeld, Lahn-Dill I, Lahn-Dill II, Wetterau II und Main-Kinzig III. Im Durchschnitt der 10.000 Simulationsdurchläufe gewinnt sie sogar 10,7 Wahlkreise, weil sie in vielen weiteren knapp hinter der CDU liegt. In Schwalm-Eder II führte sie schon vor der neuen Umfrage, die anderen fünf gehen neu von der CDU an die AfD.

Die Grünen gewänne in fünf Wahlkreisen: Kassel-Stadt I, Frankfurt am Main II, Frankfurt am Main V, Offenbach-Stadt und Darmstadt-Stadt I. Frankfurt am Main II geht neu von der CDU an die Grünen.

Die SPD läge in fünf Wahlkreise vorn: Kassel-Land I, Kassel-Land II, Schwalm-Eder I, Eschwege-Witzenhausen und Darmstadt-Stadt II. In Schwalm-Eder I ist der Vorsprung vor der AfD allerdings hauchdünn.

Die Linke gewänne einen Wahlkreis: Kassel-Stadt II.


Alle 55 Wahlkreise: Platz 1, 2 und 3

Die Tabelle zeigt für jeden Wahlkreis die drei Parteien mit den höchsten Gewinnwahrscheinlichkeiten in unserer Monte-Carlo-Simulation vom 27. Oktober (10.000 Durchläufe auf Basis des Wahltrends). Der Name des Wahlkreises führt zur Seite des Wahlkreises. Die Einschätzung misst, wie weit die Gewinnwahrscheinlichkeiten der beiden Erstplatzierten auseinanderliegen: Auf Kippe (weniger als 10 Punkte) ist ein offenes Rennen, Umkämpft (10 bis 50 Punkte) eine angreifbare Führung, bei Tendenz (50 bis 90 Punkte) liegt ein klarer, aber nicht unangreifbarer Vorteil vor, bei Klarer Vorsprung (ab 90 Punkte) ist die Führung derzeit praktisch sicher.

55 Wahlkreise: 1 auf Kippe, 26 umkämpft, 25 Tendenz, 3 mit klarem Vorsprung.

Nr Wahlkreis Führend 2. Platz 3. Platz Einschätzung
01 Kassel-Land I SPD CDU AfD 🟡 Tendenz
02 Kassel-Land II SPD AfD CDU 🟠 Umkämpft
03 Kassel-Stadt I Grüne Linke CDU 🟡 Tendenz
04 Kassel-Stadt II Linke AfD SPD 🟠 Umkämpft
05 Waldeck-Frankenberg I CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
06 Waldeck-Frankenberg II CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
07 Schwalm-Eder I SPD AfD CDU 🔴 Auf Kippe
08 Schwalm-Eder II AfD CDU SPD 🟡 Tendenz
09 Eschwege-Witzenhausen SPD AfD CDU 🟠 Umkämpft
10 Rotenburg CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
11 Hersfeld AfD CDU SPD 🟠 Umkämpft
12 Marburg-Biedenkopf I CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
13 Marburg-Biedenkopf II CDU SPD Grüne 🟠 Umkämpft
14 Fulda I CDU AfD Grüne 🟡 Tendenz
15 Fulda II CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
16 Lahn-Dill I AfD CDU SPD 🟠 Umkämpft
17 Lahn-Dill II AfD CDU SPD 🟠 Umkämpft
18 Gießen I CDU Grüne SPD 🟡 Tendenz
19 Gießen II CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
20 Vogelsberg CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
21 Limburg-Weilburg I CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
22 Limburg-Weilburg II CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
23 Hochtaunus I CDU AfD Grüne 🟢 Klarer Vorsprung
24 Hochtaunus II CDU Grüne AfD 🟡 Tendenz
25 Wetterau I CDU Grüne AfD 🟡 Tendenz
26 Wetterau II AfD CDU SPD 🟠 Umkämpft
27 Wetterau III CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
28 Rheingau-Taunus I CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
29 Rheingau-Taunus II CDU AfD Grüne 🟡 Tendenz
30 Wiesbaden I CDU Grüne AfD 🟠 Umkämpft
31 Wiesbaden II CDU AfD Grüne 🟡 Tendenz
32 Main-Taunus I CDU Grüne AfD 🟢 Klarer Vorsprung
33 Main-Taunus II CDU Grüne AfD 🟢 Klarer Vorsprung
34 Frankfurt am Main I CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
35 Frankfurt am Main II Grüne CDU SPD 🟠 Umkämpft
36 Frankfurt am Main III CDU Grüne SPD 🟠 Umkämpft
37 Frankfurt am Main IV CDU Grüne SPD 🟠 Umkämpft
38 Frankfurt am Main V Grüne CDU Linke 🟡 Tendenz
39 Frankfurt am Main VI CDU Grüne SPD 🟡 Tendenz
40 Main-Kinzig I CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
41 Main-Kinzig II CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
42 Main-Kinzig III AfD CDU SPD 🟠 Umkämpft
43 Offenbach-Stadt Grüne CDU Linke 🟡 Tendenz
44 Offenbach Land I CDU Grüne AfD 🟡 Tendenz
45 Offenbach Land II CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
46 Offenbach Land III CDU AfD Grüne 🟡 Tendenz
47 Groß-Gerau I CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
48 Groß-Gerau II CDU SPD AfD 🟡 Tendenz
49 Darmstadt-Stadt I Grüne SPD Linke 🟡 Tendenz
50 Darmstadt-Stadt II SPD CDU Grüne 🟡 Tendenz
51 Darmstadt-Dieburg I CDU SPD AfD 🟠 Umkämpft
52 Darmstadt-Dieburg II CDU AfD SPD 🟡 Tendenz
53 Odenwald CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
54 Bergstraße I CDU AfD SPD 🟠 Umkämpft
55 Bergstraße II CDU AfD SPD 🟡 Tendenz

Hessen Standard: alle 55 Wahlkreise im Blick
Im Paket Hessen Standard von poll.graphics ist enthalten:

  • Tägliche Nowcasts für alle 55 Wahlkreise, jede Nacht neu berechnet, sobald eine neue Umfrage erscheint
  • Kandidierenden-Projektionen: wer nach dem aktuellen Nowcast in den Landtag einzieht, direkt oder über die Liste
  • Monatliche Monte-Carlo-Simulationen mit den Gewinnwahrscheinlichkeiten in jedem Wahlkreis

→ Zu Hessen Standard