Landtagswahl Baden-Württemberg 2026: poll.graphics Projektion für alle 70 Wahlkreise – Erstveröffentlichung 02.03.2026

Am 8. März 2026 wählt Baden-Württemberg einen neuen Landtag — erstmals mit dem reformierten Wahlrecht mit Erst- und Zweitstimme und erstmals ab 16 Jahren. Rund 7,7 Millionen Menschen sind wahlberechtigt, darunter 650.000 Erstwähler:innen.

Wir haben mit poll.graphics für alle 70 Landtagswahlkreise eine Projektion erstellt: Wo liegt welche Partei vorn? Wo wird es richtig knapp? Und in welchen Wahlkreisen kann der Ausgang noch in beide Richtungen kippen?

Die Projektion stützt sich auf zwei Ansätze: einen Nowcast mit exakten Prozentwerten je Partei und Wahlkreis sowie eine Monte-Carlo-Simulation mit 10.000 Durchläufen, die Unsicherheiten in den Umfragewerten berücksichtigt und Gewinnwahrscheinlichkeiten liefert. Beides veröffentlichen wir hier vollständig — und werden es nach der Wahl am 8. März öffentlich mit den tatsächlichen Ergebnissen vergleichen.

Zur Einordnung: Bei der Europawahl 2024 hatten wir einen vergleichbaren Ansatz auf Landkreisebene angewandt. Die Übereinstimmungsquote bei der stärksten Partei lag bei 94,5%, die durchschnittliche Abweichung je Landkreis und Partei bei nur 1,9 Prozentpunkten. Jetzt testen wir das Verfahren erstmals auf Wahlkreisebene bei einer Landtagswahl.

Wichtiger Hinweis: Es handelt sich um einen Nowcast — eine Projektion für das Hier und Jetzt — und nicht um eine Prognose für den Wahltag. Mehr zur Methodik hier.


Methodik in Kürze

Datengrundlage: Wahlergebnisse der Landtagswahl 2021 + aktuelle Umfragewerte (poll.graphics Wahltrend, Stand: 02.03.2026). Die gewichteten Umfragewerte auf Landesebene lauten gerundet: CDU 28%, Grüne 24%, AfD 19%, SPD 9%, Linke 7%, FDP 6%, BSW 1% sowie Sonstige 6%.

Nowcast (Tabelle 1): Für jeden Wahlkreis werden exakte Prozentwerte je Partei projiziert, indem die Wahlergebnisse von 2021 mit den aktuellen Landestrends fortgeschrieben werden. Die Erststimme steht im Mittelpunkt, da sie über die Direktmandate entscheidet.

Monte-Carlo-Simulation (Tabelle 2): 10.000 Simulationsdurchläufe mit zufälligen Schwankungen in den Umfragewerten. Ergebnis: Wie häufig gewinnt jede Partei in jedem Wahlkreis? Die Einstufung basiert auf dem Vorsprung (Margin) zwischen der Gewinnwahrscheinlichkeit der erst- und zweitplatzierten Partei:

Kategorie Vorsprung (Margin) Bedeutung
🔴 Toss-Up <10 Prozentpunkte Kann in beide Richtungen kippen
🟠 Battleground 10–50 Prozentpunkte Führung vorhanden, aber angreifbar
🟡 Likely 50–90 Prozentpunkte Klare Führung, Überraschung möglich
🟢 Safe Seat >90 Prozentpunkte Praktisch sicher

Hinweis zum neuen Wahlrecht: Die Projektion bezieht sich auf die Erststimme (Wahlkreisstimme). Die Zweitstimme (Landesstimme), die erstmals bei einer Landtagswahl in Baden-Württemberg abgegeben wird, beeinflusst die Gesamtsitzverteilung über die Landeslisten, wird hier aber nicht modelliert.


Die Lage im Überblick

Nowcast: Stärkste Partei je Wahlkreis

Partei Wahlkreise mit Führung
CDU 50
Grüne 17
AfD 3

Die CDU liegt in der Projektion in 50 der 70 Wahlkreise vorn — ein deutlicher Vorsprung gegenüber den Grünen, die ihrerseits 17 Wahlkreise anführen. Die AfD liegt in 3 Wahlkreisen auf Platz 1: Mannheim I (WK 35), Pforzheim (WK 42) und Enz (WK 44).

Monte-Carlo-Simulation: Durchschnittliche Direktmandate

Im Mittel über 10.000 Simulationen ergibt sich folgendes Bild:

Partei Ø Direktmandate
CDU 41,3
Grüne 20,1
AfD 8,0
Linke 0,4
SPD 0,2

Die CDU führt zwar wie im Nowcast auch in der Monte-Carlo-Simulation in 50 Wahlkreisen, gewinnt im Simulationsdurchschnitt gemittelt aber nur rund 41 Direktmandate — in vielen Wahlkreisen ist die CDU-Führung so knapp, dass sie in vielen Simulationsläufen an andere Parteien fallen. Umgekehrt gewinnt die AfD im Durchschnitt 8 Direktmandate, obwohl sie im Nowcast nur in 3 Wahlkreisen führt — ein Hinweis auf weitere Wahlkreise, in denen die AfD in günstigen Szenarien durchkommen könnte.

Wie sicher sind die Ergebnisse?

Kategorie Anzahl Wahlkreise
🔴 Toss-Up (Vorsprung <10 PP) 9
🟠 Battleground (10–50 PP) 28
🟡 Likely (50–90 PP) 29
🟢 Safe Seat (>90 PP) 4

Nur 4 der 70 Wahlkreise gelten als wirklich sichere Sitze. In 9 Wahlkreisen — den Toss-Ups — beträgt der Vorsprung zwischen erst- und zweitplatzierter Partei weniger als 10 Prozentpunkte: Hier kann der Ausgang am Wahlabend in beide Richtungen kippen. Zusammen mit den 28 Battleground-Wahlkreisen sind über die Hälfte aller Sitze im Land umkämpft.


Tabelle 1: Nowcast-Projektion — Erststimmen je Wahlkreis

Die folgende Tabelle zeigt die projizierten Erststimmenanteile je Partei. Nach der Wahl am 8. März werden wir die tatsächlichen Ergebnisse in einer Folgeanalyse mit diesen Werten vergleichen — Wahlkreis für Wahlkreis, Partei für Partei.

Sortierung: nach Wahlkreisnummer. Die führende Partei ist fett markiert. „Vorsprung” = Differenz zwischen stärkster und zweitstärkster Partei im Nowcast.

WK Name CDU Grüne AfD SPD FDP Linke BSW Sonst. Führung Vorsprung
01 Stuttgart I 22 35 7 8 6 15 0 8 Grüne +13
02 Stuttgart II 27 31 10 8 7 8 2 6 Grüne +4
03 Stuttgart III 28 24 16 10 6 9 2 5 CDU +4
04 Stuttgart IV 25 26 12 10 5 13 3 6 Grüne <1
05 Böblingen 30 23 19 11 6 4 1 6 CDU +7
06 Leonberg 34 27 18 10 7 5 0 0 CDU +7
07 Esslingen 29 27 15 12 5 7 0 5 CDU +2
08 Kirchheim 29 24 19 10 6 5 1 7 CDU +5
09 Nürtingen 27 30 19 8 6 5 0 6 Grüne +3
10 Göppingen 33 22 26 10 5 4 0 0 CDU +7
11 Geislingen 32 20 23 11 5 4 0 4 CDU +9
12 Ludwigsburg 27 26 18 10 6 8 0 6 CDU <1
13 Vaihingen 30 26 18 8 6 5 0 6 CDU +4
14 Bietigheim-Bissingen 29 25 19 9 6 5 0 6 CDU +4
15 Waiblingen 31 23 17 9 8 6 0 6 CDU +8
16 Schorndorf 29 22 20 8 9 5 0 6 CDU +7
17 Backnang 27 17 24 15 6 4 0 8 CDU +3
18 Heilbronn 26 21 23 9 6 6 1 6 CDU +3
19 Eppingen 28 19 27 9 7 5 0 6 CDU +1
20 Neckarsulm 28 19 26 10 5 5 1 6 CDU +2
21 Hohenlohe 29 21 28 10 6 5 1 0 CDU <1
22 Schwäbisch Hall 26 20 24 9 7 6 1 7 CDU +2
23 Main-Tauber 35 20 21 8 5 4 0 6 CDU +14
24 Heidenheim 26 18 22 16 4 5 1 8 CDU +4
25 Schwäbisch Gmünd 29 21 23 8 6 6 0 8 CDU +6
26 Aalen 39 20 21 9 5 5 1 0 CDU +18
27 Karlsruhe I 21 29 13 10 4 13 0 10 Grüne +8
28 Karlsruhe II 22 28 15 10 4 12 0 10 Grüne +6
29 Bruchsal 33 20 27 10 5 5 0 0 CDU +6
30 Bretten 29 25 24 9 7 6 0 0 CDU +4
31 Ettlingen 29 25 19 10 6 5 0 6 CDU +4
32 Rastatt 28 22 25 11 4 5 0 6 CDU +3
33 Baden-Baden 33 24 18 9 5 5 0 5 CDU +9
34 Heidelberg 18 31 10 10 4 16 0 10 Grüne +13
35 Mannheim I 17 19 24 16 3 11 3 8 AfD +5
36 Mannheim II 20 26 16 13 5 10 2 8 Grüne +6
37 Wiesloch 31 21 22 10 5 5 0 7 CDU +9
38 Neckar-Odenwald 36 16 24 9 4 4 0 7 CDU +12
39 Weinheim 28 27 16 11 5 7 0 7 CDU <1
40 Schwetzingen 28 23 21 12 4 6 0 6 CDU +5
41 Sinsheim 30 21 22 11 5 5 0 6 CDU +8
42 Pforzheim 23 19 31 8 8 6 0 5 AfD +8
43 Calw 33 19 26 6 5 5 0 5 CDU +7
44 Enz 23 23 26 8 9 4 0 6 AfD +3
45 Freudenstadt 31 18 26 7 8 4 1 6 CDU +5
46 Freiburg I 23 30 10 9 4 13 2 8 Grüne +7
47 Freiburg II 15 28 11 10 3 20 3 10 Grüne +8
48 Breisgau 31 31 16 9 5 8 0 0 CDU <1
49 Emmendingen 27 28 15 10 6 7 0 8 Grüne <1
50 Lahr 29 25 20 8 6 5 0 7 CDU +4
51 Offenburg 33 30 18 8 5 6 0 0 CDU +3
52 Kehl 32 23 20 7 5 5 1 7 CDU +9
53 Rottweil 30 18 25 6 8 5 1 6 CDU +5
54 Villingen-Schwenningen 29 27 24 8 7 5 0 0 CDU +2
55 Tuttlingen-Donaueschingen 33 20 25 5 7 4 0 5 CDU +8
56 Konstanz 22 32 12 7 7 10 2 7 Grüne +10
57 Singen 25 23 22 10 6 5 1 6 CDU +2
58 Lörrach 26 27 16 10 6 6 0 8 Grüne +1
59 Waldshut 29 30 22 8 6 5 0 0 Grüne <1
60 Reutlingen 26 26 19 8 6 7 1 6 Grüne <1
61 Hechingen-Münsingen 30 24 25 7 7 5 1 0 CDU +5
62 Tübingen 24 28 13 9 4 12 2 8 Grüne +4
63 Balingen 36 18 23 6 5 4 0 7 CDU +13
64 Ulm 27 27 15 11 4 8 1 7 CDU <1
65 Ehingen 41 21 20 6 4 4 1 4 CDU +20
66 Biberach 39 20 19 4 4 4 0 9 CDU +19
67 Bodensee 27 28 18 7 7 6 0 7 Grüne +1
68 Wangen 39 25 20 6 5 5 0 0 CDU +14
69 Ravensburg 29 25 18 7 6 6 0 9 CDU +4
70 Sigmaringen 32 23 22 5 6 4 1 6 CDU +9

Tabelle 2: Monte-Carlo-Gewinnwahrscheinlichkeiten

Die folgenden Tabellen zeigen die Gewinnwahrscheinlichkeiten aus 10.000 Simulationsdurchläufen. Entscheidend ist der Vorsprung (Margin) zwischen erst- und zweitplatzierter Partei. Sortierung: nach Vorsprung aufsteigend — die knappsten Wahlkreise stehen oben.

🔴 Toss-Up — Vorsprung unter 10 Prozentpunkten (9 Wahlkreise)

In diesen Wahlkreisen kann der Ausgang am Wahlabend in beide Richtungen kippen.

WK Name Führende Partei Gewinn-Wk. Zweitstärkste Gewinn-Wk. Vorsprung
59 Waldshut Grüne 48% CDU 48% <1 PP
64 Ulm CDU 52% Grüne 48% 4 PP
21 Hohenlohe CDU 50% AfD 45% 5 PP
60 Reutlingen Grüne 51% CDU 46% 5 PP
04 Stuttgart IV Grüne 52% CDU 46% 6 PP
49 Emmendingen Grüne 53% CDU 47% 6 PP
48 Breisgau CDU 54% Grüne 46% 8 PP
39 Weinheim CDU 54% Grüne 46% 8 PP
12 Ludwigsburg CDU 54% Grüne 44% <10 PP

🟠 Battleground — Vorsprung 10 bis 50 Prozentpunkte (28 Wahlkreise)

Führung vorhanden, aber angreifbar. Hier entscheidet sich, wie groß die Mehrheiten am Ende ausfallen.

WK Name Führende Partei Gewinn-Wk. Zweitstärkste Gewinn-Wk. Vorsprung
58 Lörrach Grüne 55% CDU 45% 10 PP
67 Bodensee Grüne 54% CDU 44% 10 PP
54 Villingen-Schwenningen CDU 48% Grüne 36% 12 PP
19 Eppingen CDU 56% AfD 42% 14 PP
20 Neckarsulm CDU 57% AfD 40% 17 PP
57 Singen CDU 48% Grüne 29% 17 PP
07 Esslingen CDU 61% Grüne 39% 22 PP
22 Schwäbisch Hall CDU 57% AfD 33% 24 PP
09 Nürtingen Grüne 63% CDU 35% 28 PP
32 Rastatt CDU 58% AfD 30% 28 PP
44 Enz AfD 54% CDU 24% 30 PP
18 Heilbronn CDU 58% AfD 27% 31 PP
51 Offenburg CDU 65% Grüne 34% 31 PP
02 Stuttgart II Grüne 66% CDU 34% 32 PP
17 Backnang CDU 64% AfD 32% 32 PP
30 Bretten CDU 59% Grüne 24% 35 PP
13 Vaihingen CDU 68% Grüne 31% 37 PP
69 Ravensburg CDU 68% Grüne 30% 38 PP
24 Heidenheim CDU 64% AfD 26% 38 PP
14 Bietigheim-Bissingen CDU 68% Grüne 30% 38 PP
03 Stuttgart III CDU 70% Grüne 30% 40 PP
31 Ettlingen CDU 69% Grüne 28% 41 PP
62 Tübingen Grüne 70% CDU 29% 41 PP
08 Kirchheim CDU 71% Grüne 26% 45 PP
61 Hechingen-Münsingen CDU 66% AfD 21% 45 PP
50 Lahr CDU 71% Grüne 25% 46 PP
40 Schwetzingen CDU 69% Grüne 21% 48 PP
35 Mannheim I AfD 66% Grüne 18% 48 PP

🟡 Likely — Vorsprung 50 bis 90 Prozentpunkte (29 Wahlkreise)

Klare Führung, aber Überraschungen nicht ausgeschlossen.

WK Name Führende Partei Gewinn-Wk. Zweitstärkste Gewinn-Wk. Vorsprung
29 Bruchsal CDU 75% AfD 24% 51 PP
45 Freudenstadt CDU 76% AfD 24% 52 PP
53 Rottweil CDU 76% AfD 22% 54 PP
47 Freiburg II Grüne 77% Linke 22% 55 PP
25 Schwäbisch Gmünd CDU 74% AfD 17% 57 PP
10 Göppingen CDU 77% AfD 18% 59 PP
43 Calw CDU 79% AfD 20% 59 PP
46 Freiburg I Grüne 79% CDU 20% 59 PP
28 Karlsruhe II Grüne 80% CDU 18% 62 PP
06 Leonberg CDU 81% Grüne 19% 62 PP
05 Böblingen CDU 81% Grüne 16% 65 PP
36 Mannheim II Grüne 80% CDU 15% 65 PP
16 Schorndorf CDU 79% Grüne 14% 65 PP
42 Pforzheim AfD 83% CDU 14% 69 PP
55 Tuttlingen-Donaueschingen CDU 84% AfD 14% 70 PP
27 Karlsruhe I Grüne 85% CDU 13% 72 PP
70 Sigmaringen CDU 83% Grüne 11% 72 PP
15 Waiblingen CDU 86% Grüne 14% 72 PP
41 Sinsheim CDU 82% AfD 10% 72 PP
33 Baden-Baden CDU 86% Grüne 13% 73 PP
37 Wiesloch CDU 84% AfD 9% 75 PP
52 Kehl CDU 86% Grüne 11% 75 PP
56 Konstanz Grüne 88% CDU 12% 76 PP
11 Geislingen CDU 88% AfD 9% 79 PP
01 Stuttgart I Grüne 91% CDU 7% 84 PP
34 Heidelberg Grüne 91% Linke 5% 86 PP
38 Neckar-Odenwald CDU 93% AfD 7% 86 PP
68 Wangen CDU 94% Grüne 5% 89 PP
63 Balingen CDU 94% AfD 5% 89 PP

🟢 Safe Seat — Vorsprung über 90 Prozentpunkte (4 Wahlkreise)

Hier ist der Ausgang praktisch sicher — alle vier sind CDU-Hochburgen.

WK Name Führende Partei Gewinn-Wk. Zweitstärkste Gewinn-Wk. Vorsprung
23 Main-Tauber CDU 94% AfD 4% 90 PP
26 Aalen CDU 98% AfD 1% 97 PP
66 Biberach CDU 98% Grüne 1% 97 PP
65 Ehingen CDU 99% Grüne 1% 98 PP

Spotlight: Die spannendsten Wahlkreise

🔴 WK 59 Waldshut — Der knappste Wahlkreis der ganzen Wahl

Der Nowcast sieht Grüne (30%) und CDU (29%) praktisch gleichauf — ein Vorsprung von weniger als einem Prozentpunkt. Die Monte-Carlo-Simulation bestätigt das Bild: Grüne und CDU gewinnen jeweils in rund 48% der Durchläufe — der Vorsprung beträgt nicht einmal 1 Prozentpunkt. Ein klarer Toss-Up. In diesem Wahlkreis im Dreiländereck am Hochrhein entscheidet buchstäblich jede Stimme.

🔴 WK 21 Hohenlohe — AfD fordert CDU heraus

Hier steht nicht Grün gegen Schwarz, sondern Schwarz gegen Blau: CDU 29% vs. AfD 28% im Nowcast, Monte-Carlo 50% vs. 45% — ein Vorsprung von nur 5 Prozentpunkten. Es ist der einzige Toss-Up-Wahlkreis, in dem die AfD die CDU-Führung ernsthaft gefährdet. Hohenlohe wird zeigen, wie tief die AfD im ländlichen Baden-Württemberg in die CDU-Stammgebiete einbrechen kann.

🔴 WK 64 Ulm — Auf Messers Schneide

CDU 27% vs. Grüne 27% im Nowcast — praktisch gleichauf. Monte-Carlo: CDU 52%, Grüne 48% — Vorsprung 4 PP. Ulm als urbaner Wahlkreis mit starker Wissenschaftspräsenz könnte ein Gradmesser für die Stärke der Grünen in den Mittelstädten sein.

🔴 WK 12 Ludwigsburg — Indikator für den Landtrend

CDU 54% vs. Grüne 44% — Vorsprung knapp unter 10 PP, gerade noch ein Toss-Up. Ludwigsburg als bevölkerungsreicher Wahlkreis in der Metropolregion Stuttgart ist oft ein guter Seismograph für die Gesamtstimmung. Hier wird sich zeigen, ob die CDU die vorstädtischen Wahlkreise zurückgewinnen kann.

🟠 WK 42 Pforzheim, WK 35 Mannheim I & WK 44 Enz — Die AfD-Hochburgen

In Pforzheim liegt die AfD mit 83% Gewinnwahrscheinlichkeit am klarsten vorn (Likely-Kategorie, Vorsprung 69 PP). In Mannheim I beträgt der Vorsprung 49 PP — als Battleground noch angreifbar. Dazu kommt Enz mit nur 30 PP Vorsprung, ebenfalls Battleground. Alle drei Wahlkreise sind geprägt von überdurchschnittlich hohen AfD-Ergebnissen bereits bei der Landtagswahl 2021.

🟠 Dreikampf: Wenn zwei nicht reichen — 9 Wahlkreise mit drei relevanten Parteien

In den meisten Wahlkreisen ist das Rennen ein Duell. Doch in 9 der 70 Wahlkreise haben mindestens drei Parteien eine Gewinnwahrscheinlichkeit von über 10% — hier wird es zum echten Dreikampf.

Am vielfältigsten ist das Feld in Enz (WK 44): Die AfD führt mit 54%, aber CDU (24%) und Grüne (23%) liegen fast gleichauf dahinter — jede der drei Parteien kann hier theoretisch gewinnen. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Villingen-Schwenningen (WK 54): CDU 48%, Grüne 36%, AfD 16% — der Wahlkreis mit dem engsten Dreikampf zwischen den drei großen Lagern.

Besonders spannend wird es in Singen (WK 57), wo CDU (48%), Grüne (29%) und AfD (23%) alle realistische Chancen haben. Hier verteilt sich die Unsicherheit so breit, dass die CDU trotz Führung in weniger als der Hälfte aller Simulationen gewinnt.

Im nordwürttembergischen Raum zeigen Bretten (WK 30) mit CDU 59%, Grüne 24%, AfD 18% und Heilbronn (WK 18) mit CDU 58%, AfD 27%, Grüne 15% das Muster eines CDU-dominierten Dreikampfs, bei dem sowohl AfD als auch Grüne den zweiten Platz beanspruchen. Ähnlich in Rastatt (WK 32): CDU 58%, AfD 30%, Grüne 12% — und Hechingen-Münsingen (WK 61): CDU 66%, AfD 21%, Grüne 14%.

In Mannheim I (WK 35) — einem der drei AfD-geführten Wahlkreise — ist der Dreikampf ungewöhnlich zusammengesetzt: AfD 66%, Grüne 18%, SPD 10%. Es ist der einzige Wahlkreis in ganz Baden-Württemberg, in dem die SPD eine zweistellige Gewinnwahrscheinlichkeit erreicht.

Zuletzt Schwetzingen (WK 40): CDU 69%, Grüne 21%, AfD 10% — gerade noch ein Dreikampf an der 10%-Schwelle, aber ein Hinweis darauf, dass auch in der Kurpfalz die Fragmentierung zunimmt.

🔴 WK 04 Stuttgart IV — Grün-Schwarzes Ringen in der Landeshauptstadt

Grüne 52% vs. CDU 46% — Vorsprung nur 6 PP. Stuttgart IV (mit Zuffenhausen, Feuerbach, Bad Cannstatt) ist der einzige Stuttgarter Wahlkreis, in dem die Grüne-Führung nicht gesichert ist.


Was der Nowcast nicht kann

Vier wichtige Vorbehalte:

Keine lokalen Faktoren. Das Modell bildet keine Kandidat:innen-Effekte, lokale Themen oder Wahlkampfintensität ab. In Wahlkreisen mit prominenten Kandidat:innen können die realen Ergebnisse deutlich abweichen.

Neues Wahlrecht. Die Zweitstimme und das Wahlalter ab 16 bringen zusätzliche Unsicherheiten, die nicht historisch kalibriert werden können — es gibt schlicht keine Vergleichswahl.

Umfragewerte sind Momentaufnahmen. Der Nowcast vom 02.03.2026 zeigt die Lage zum damaligen Stand auf Basis des von uns gebildeten Wahltrends, der ein gewichteter Umfragedurchschnitt ist. Bis zum Wahltag kann sich die Stimmung noch verschieben. Insbesondere bei Parteien, die 2021 noch nicht antraten (BSW), ist die Unsicherheit systematisch höher — vergleichbar mit dem BSW bei unserer Europawahl-Analyse 2024. Nicht enthalten sind auch kleinere Parteien, die in den Umfragen konsistent unter 3% liegen (z.B. Freie Wähler, Volt).

Keine Wahlkreisumfragen. Es handelt sich um eine Projektion auf Basis von Landestrends und historischen Mustern, nicht um eine direkte Erhebung in den Wahlkreisen. In Wahlkreisen mit ungewöhnlichen lokalen Dynamiken kann die Projektion daher ungenau sein.

Genau deshalb machen wir diese Analyse öffentlich: um die Methodik transparent am Ergebnis zu messen.


Ausblick

Nach der Wahl — In den Tagen nach der Wahl veröffentlichen wir die Folgeanalyse: Wie viele der 70 Wahlkreise hat poll.graphics korrekt projiziert? Wie hoch war die durchschnittliche Abweichung? Wo lagen die größten Überraschungen?

Rheinland-Pfalz folgt am 18.3. In zwei Wochen veröffentlichen wir die gleiche Analyse für die 52 Wahlkreise der Landtagswahl Rheinland-Pfalz am 22. März.

Die Karte mit allen Projektionsdaten, Vergleichen zur Landtagswahl 2021 und weiteren Analysen finden Sie auf poll.graphics/baden-wuerttemberg (Paywall).

Newsletter: Melden Sie sich an, um die Folgeanalyse und künftige Projektionen direkt zu erhalten.

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie aktuelle Wahlumfragen und exklusive Analysen direkt in Ihr Postfach.


✅ Bitte prüfen Sie Ihr Postfach und bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse.

📧 Sie erhalten eine Bestätigungs-E-Mail.
Mit der Anmeldung akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung.